Die Geschichte der Ortschaft von den Anfängen bis zur Eingemeindung 1972 In der vorgeschichtlichen Frühzeit war unsere Gegend mit Wäldern überzogen, eine feuchte, sumpfige Buntsandsteinlandschaft. Jäger und Fischer siedelten wohl zuerst im Wald und an den Ufern der Flüsse. Orte gab es nicht. Durch Pfade, von Menschen und Tieren getreten, waren die Wohngruben der Einsiedler verbunden. Der Wald bot ihnen Nahrung an. Pflanzliche und tierische. Mit Halsschlingen, Fußangeln und in Erdgruben fingen sie Urtiere, Bären, Wölfe, Luchse, Füchse, Elche und andere wilde Tiere. Die Saale und ihre Nebenflüsse spendeten Fische. Auf die nomadenhaften Jäger folgten die sesshaften Bauern, die in der Hauptsache Viehzucht betrieben. Kleine gerodete Flächen wurden Weideland für Pferde und Rinder. Die Wälder lieferten Mastfutter für die Schweine. Etwas größere gerodete Flüchen wurden mit Feldfrüchten bebaut. 

 

Stammesmäßig war die Bevölkerung unseres Gebietes zuerst keltisch. Ihre Hütten bauten sie aus Reisig oder Holz, bewarfen sie mit Lehm und deckten sie mit Stroh oder Schilf. Sie wohnten meist in Einzelhöfen. In Gefahrenzeiten suchten sie mit ihrem Viehbestand und den notwendigen Nahrungsmitteln Schutz hinter einer Fliehburg. Das war eine Befestigungsanlage auf einer Höhe mit mauerartigen Wällen, ringförmig um einen Berg gezogen. Die Fliehburg sollte die Vorstöße der Germanen, die aus dem Norden nach Süden drängten, auffangen. Eine solche Fliehburg soll auch den Altenberg, den "mons antiquus", gekrönt haben. 

Die Wallanlagen reichten gegen Westen bis in die Garitzer Gemarkung herein. Steinreste, die man dort findet, könnten vielleicht aus dieser Unruhen Zeit stammen. Bodenfunde aus der schriftlosen Zeit sind wohl die einzigen Zeugen der Vorgeschichte. Durch Ausgraben von Werkzeugen und Waffen aus Stein, Bronze, Eisen und von Urnen- und Krugscherben ist es den Wissenschaftlern möglich. die Zeitepoche der Besiedlung zu bestimmen und so in das Dunkel der Vorzeit hineinzuleuchten. Nach verschiedenen Aufzeichnungen sollen am Westrand der Garitzer Flurmarkung. Am Thulberweg, im Sanderholz und im Kohlwald Hügelgräber liegen die aus der Hallstattzeit (800 - 500 v. Chr.) stammen. Die Tatsache des Vorhandenseins ist aber bis heute noch nicht erwiesen worden. 

Zur Zeit Christi sprang die germanische Welle über den Wall der Kelten, und ihre Stamme siedelten im Saalegebiet, das immerfort ein Durchgangsland war. Vermutlich haben sich Stammesreste der Kelten mit den neuen Herren vermischt. Urkundlich werden die Hermunduren, die den Thüringern den Namen gaben. und die Chatten, Urahnen der Hessen, in den Annalen des römischen Geschichtsschreibers Tacitus erwähnt, der auch von einer Schlacht um den Besitz von Salzquellen schreibt. 

Im 6. Jahrhundert kamen dann die Franken in den Saalegau und wurden sesshaft. Aber die Vermehrung der Dörfer machte nur langsam Fortschritte. Zur Rodung der Walder bestand noch keine zwingende Notwendigkeit. 

Die Kissinger Solequellen als Grundlage für die Salinen zur Salzgewinnung  zogen schon um die Zeitenwende das Augenmerk der germanischen Volksstämme auf sich. 

Salz, das älteste aller bekannten Gewürze, das einzige aus dem Mineralreich, war ein begehrter Handelsartikel. Es ist daher die Annahme berechtigt, dass schon vor der Entstehung des Ortes Chizzige(Kissingen) sogenannte Salzstraßen zu den Salinen unserer engsten Heimat führten. Das Salz musste ja in die besiedelten Gebiete unseres Vaterlandes gebracht werden. 

Eine fränkische Heeresstraße, zugleich auch Handels— oder Salzstraße als Kaufleute, führte einst von Frankfurt über Hanau - Orb - Gemünden —Hammelburg — Kissingen — Münnerstadt - Salz (Neustadt) nach Erfurt. Das Teilstuck Hammelburg - Kissingen verlief durch das Saaletal in Richtung Elfershausen - Aura — quer durch den Wald über den nördlichen Abhang des Altenberges zur Saale hinunter, diese ungefähr am heutigen Arkudensteg, wo die ehemalige untere Saline stand, überquerend und dann weiter auf den Stationsberg hinauf nach Münnerstadt über die Strahlunger Höhe nach Salz und weiter ins Thüringer Land. Diese Heeres- und Handelsstraße hat damit das spätere zum Garitzer Flur— und Ortsraum gewordene Waldgebiet des Salzforstes, den Auraer Wald, durchquert. 

Es soll auch schon im 9. Jahrhundert, als das Kloster Fulda durch Schenkung Anteil an der Kissinger Saline bekam, ein alter Salzweg über den späteren Garitzer Flurraum nach Thulba und ins Fuldaer Land geführt haben.  

Gründung der Siedlung Garitz 

Wann unser Heimatdorf entstanden ist, kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Dokumente stehen nicht zur Verfugung. Man darf aber annehmen, dass die Entstehung in die Zeit von 1000 bis 1200 n. Chr. fallt, in die erste Siedlungsperiode der Rhön und des Salzforstes, dessen südlichster Teil der Auraer Wald ist. Unser Dorf ist verhältnismäßig jung, verglichen mit Kissingen, Euerdorf, Elfershausen und anderen, die urkundlich viel früher genannt sind. Eine Waldlandschaft als Siedlungsraum wird natürlich viel später erschlossen als ein ebenes Flußtal. Wer unsere Flurmarkung aus der Fliegerschau betrachtet, wird unschwer erkennen, dass sie eine Rodungsbucht ist, die von der Saale her inselgleich in das geschlossene Waldgebiet recht der Saale geschlagen wurde. Garitz war also bestimmt ein Walddorf. 

Was mag wohl zum Siedeln an dieser Stelle veranlaßt haben? Gewiss nicht die Fruchtbarkeit des Bodens. Das Land war feucht und hügelig. Der Wald als Wirtschaftsgrundlage könnte gereizt haben. Der Marbach gab das lebenswichtige Wasser. Vielleicht war auch die günstige Verkehrslage mit ein Grund. Die Osthanglage des ehemaligen Ortskerns unseres Heimatdorfes war sehr vorteilhaft. Man hatte den Genuß der Morgensonne. Der nahe Wald bot Schutz gegen Westwinde und war Zufluchtsort in kriegerischen Zeiten. Der Wald gab das Holz für den Hausbau, und den nötigen Lehm für Wände, Stubenböden und Scheunentennen konnte man an Ort und Stelle graben. Im Wohngebiet ,,Althaus“ nahe am Marbach könnten wohl auch erste Siedlerhütten entstanden sein. Interessant ist zu lesen, dass sie noch auf Kissinger Boden lagen und erst später aus der Kissinger Markung ausgeschieden wurden. Es lässt sich nicht ergründen, wer die Rodung und die Besiedlung unseres Dorfes zuerst anstrebte und unter seinem Schutz durchführte. Kirche und Adel kämpften damals um die Macht. Selbst das Kloster Fulda hatte verschiedene Stücke im Buchonischen Wald. So steht geschrieben, dass 1186 Guter Fuldas in Garitz im Tausch an Poppo von lrmelshausen kamen. Waren es die Grafen von Henneberg, die sich an der kolonisatorischen Erschliel3ung unseres Gebietes beteiligten? Auch sie waren Besitzer im Salzforst, und es liegt nahe, ihnen die Gründung der Siedlung Garitz zuzuschreiben. Sie könnten auch die ersten Siedlungen unseres Ortes dem Kloster Aura geschenkt haben, denn schon 1167 werden die Henneberger als Vogtei· und Schirmherren von Aura urkundlich erwähnt. Oder das Kloster Aura selbst könnte als Gründer unseres Dorfes angesehen werden, das sich eine neue Zehntquelle erschließen und mehr Fronarbeiter verschaffen wollte. Es ist urkundlich belegt, dass Garitz den Zehnt an das Kloster abliefern musste und dass seine Einwohner Frondienste leisteten. Der Abt übte die Dorfherrschaft aus, und die Mönche waren die Seelsorger der Klostergemeinde. Möglicherweise wurde auch Garitz manchmal durch Tausch, Belehnung, Verkauf zwischen Kirche und Adel hin- und hergeschoben, ebenso wie andere Dörfer, die es wechselweise oft auf acht bis zehn Herren brachten, die mit Zinsen und Zehnten ihre leeren Kassen füllen wollten. 

Auf bzw. nahe unserer Gemarkung befanden sich einstmals noch die Orte Rumpfes, Bischofswinden, Zehentwinden, die bald zu Wüstungen wurden. Das Gewesensein dieser Orte bezeugen noch heute Flurnamen. Rumpfes war beim Heiligenhof gelegen. Schon im 16. Jahrhundert hieß es, dass die ,,Rumpffer" Markung fest im Besitz von ,,Gartz‘“ sei. Das Gelände der Wustung Bischofswinden, hinter Seehof an der Grenze Bad Kissingen — Garitz gelegen, gehört heute dem Staatsforst ,,Klauswald", Forstamt Bad Kissingen. Der Flurname ,,Zannersee‘“ erinnert an die Wüstung Zehentwinden, deren Lage man auch bei Seehof vermutet. Rechtlich gehört das wüste Ackerland heute noch zu Garitz. Vermutlich waren diese Orte nur einzelne Höfe oder kleine Weiler. Durch Bevölkerungsrückgang als Folge der unsicheren Zeitverhältnisse waren diese Weiler zur Auflösung verurteilt. Garitz allein blieb lebensfähig. Es nahm die entvölkerten Rodungsflächen in sein Kulturland auf und bot wahrscheinlich den übriggebliebenen Siedlern eine Heimstatt.  

 

Quelle: GARITZ – Ein Heimatbuch von Heinrich Hack

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